Pflegegrad beantragen 2026: Ablauf, Begutachtung & Fristen

Einen Pflegegrad zu beantragen ist einfacher, als viele denken — und der häufigste Fehler ist, zu lange zu warten. Denn Leistungen gibt es frühestens ab dem Antragsmonat. Hier steht Schritt für Schritt, wie es geht und worauf es wirklich ankommt.

In 5 Schritten zum Pflegegrad

  1. Antrag stellen — formlos genügt. Ein Anruf, eine E-Mail oder ein formloses Schreiben an die Pflegekasse Ihrer Krankenkasse reicht. Die Kassenformulare sind nicht verpflichtend. Stellen kann den Antrag die pflegebedürftige Person selbst oder ein Bevollmächtigter (z. B. mit Vorsorgevollmacht).
  2. Fragebogen ausfüllen. Die Pflegekasse schickt Unterlagen zur Pflegesituation — füllen Sie sie ehrlich und vollständig aus.
  3. Begutachtungstermin. Ein Gutachter des Medizinischen Dienstes (bei Privatversicherten MEDICPROOF) kommt zu Ihnen nach Hause, prüft sechs Lebensbereiche nach dem NBA und empfiehlt einen Pflegegrad. Dauer: etwa 60 bis 90 Minuten.
  4. Gutachten & Bescheid. Die Pflegekasse entscheidet auf Basis des Gutachtens und schickt Ihnen den Bescheid mit dem Pflegegrad.
  5. Leistungen nutzen. Ab dem Antragsmonat stehen Ihnen alle Leistungen zu — rückwirkend geht nichts, also nicht zögern.

Fristen, die Sie kennen sollten

SituationEntscheidungsfrist
Regelfall25 Arbeitstage ab Antragseingang
Krankenhaus, Reha, Hospiz5 Arbeitstage
Angekündigte Pflegezeit zu Hause10 Arbeitstage

Verpasst die Pflegekasse die Frist, stehen Ihnen 70 € je begonnener Woche Verzögerung zu — und die Leistungen gelten rückwirkend ab dem Antragsmonat.

So bereiten Sie den Gutachtertermin vor

Zählt meine Diagnose?

Ob Demenz, Depression, COPD, Parkinson oder die Folgen eines Schlaganfalls: Die Diagnose allein begründet keinen Pflegegrad. Entscheidend ist, wie stark der Alltag eingeschränkt ist — also was ohne Hilfe nicht mehr geht. Genau das prüft der Gutachter in den sechs NBA-Modulen. Ein Selbsttest vorab zeigt Ihnen, wo Sie stehen dürften.

Antrag und Begutachtung sind für Sie kostenfrei.
Wo beantrage ich einen Pflegegrad?

Bei der Pflegekasse Ihrer Krankenkasse. Ein formloser Antrag — schriftlich, telefonisch oder online — genügt als Start; die Kassenformulare sind nicht verpflichtend.

Ab wann gibt es Leistungen?

Frühestens ab dem Monat der Antragstellung — rückwirkend ist nichts möglich. Stellen Sie den Antrag daher so früh wie möglich, auch wenn noch Unterlagen fehlen.

Wie läuft die Begutachtung ab?

Ein Gutachter des Medizinischen Dienstes (bei Privatversicherten MEDICPROOF) besucht Sie zu Hause, prüft sechs Lebensbereiche nach dem Neuen Begutachtungsassessment (NBA) und empfiehlt einen Pflegegrad. Rechnen Sie mit etwa 60 bis 90 Minuten.

Wie lange dauert es bis zum Bescheid?

Die Pflegekasse muss spätestens 25 Arbeitstage nach Antragseingang entscheiden. In dringenden Fällen (Krankenhaus, Reha, Hospiz) gilt eine 5-Arbeitstage-Frist. Verpasst die Kasse die Frist, stehen Ihnen 70 € je begonnener Woche Verzögerung zu.

Wie bereite ich mich auf den Gutachtertermin vor?

Führen Sie ein bis zwei Wochen ein Pflegetagebuch, legen Sie Arztberichte, Medikamentenpläne und Entlassungsberichte bereit — und sorgen Sie dafür, dass Angehörige beim Termin dabei sind. Schildern Sie den Alltag ehrlich, auch schlechte Tage.